7. Surgical Mission - Flüchtlingshilfe

Einsatz im Erstaufnahmelager Lebach

ZDF Heute vom 21.08.2015

Einen Bericht über die Flüchtlingshilfe in Lebach inkl. einem Interview von Astrid Kany.

Ab ca. 06:20 Minute

Am 08. August haben wir das erste Mal das Lebacher Flüchtlingslager besucht und mit dem Stab des DRK vor Ort gesprochen inwieweit eine regelmäßige Versorgung für die Schwangeren und Wöchnerinnen mit Babies gewährleistet ist.

 

Da noch kein Konzept bestand, haben wir uns eines überlegt, welches am nächsten Tag gleich umgesetzt wurde. Nach Rücksprache mit einem sehr hilfsbereiten und netten kubanischen Arzt wurde auf Grund der Anzahl der Schwangeren beschlossen, dass eine Sprechstunde zweimal pro Woche stattfinden wird.

Zu den Hauptaufgaben der Sprechstunde gehören die Betreuung der Schwangeren im Rahmen einer Vorsorge, wie sie jeder Schwangeren zustehen sollte und die Nachsorge der Wöchnerinnen und ihren Babies. Desweiteren sollen Komplikationen frühzeitig erkannt und die Patientinnen entsprechen in stationäre und ambulante Behandlung weitergeleitet werden. Zusätzlich wird die Ausgabe von Kleidungspenden und Nahrung für Babies, sowie Kinderwagen etc. koordiniert.

Um die Patientinnen auf uns aufmerksam zu machen wurden Informationsflyer, übersetzt in 6 verschiedenen Sprachen, im Flüchtlingslager verteilt.

Die Informationsfoyer in Arabisch, Deutsch, englisch, Französisch, Rumänisch, Serbo-Kroatisch

Bereits am 1. Tag bestätigten die Patientinnen Astrid Kany, unserer Hebamme und Leiterin die Notwendigkeit dieser Mission. Die Frauen warteten geduldig im strömenden Regen auf ihre Sprechstunde.

Unter den Frauen sind viele Risikoschwangerschaften, wie z.B. Zwillingsschwangerschaften, die regelmäßig gynäkologisch in einer Praxis untersucht werden müssen. Die schlechten hygienischen Bedingungen sind verantwortlich für Hautkrankheiten bei Wöchnerinnen und ihren Kindern, ebenso wie Parasitenbefall.

Nach der ersten Sprechstunde, welche noch in einem RTW(Rettungswagen) stattfand, können nun die Frauen in einem Container versorgt werden. 

Weitere Unterstützung finden Astrid, Razika und Sonja – S.M.S-Team – von freiwilligen Helfern vor Ort. Die benötigten Medikamente werden über unsere Apotheke beschafft.

Mittlerweile arbeiten wir mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familien Saarland zusammen, welches uns volle Unterstützung, unter anderem in Form eines CTG-Gerätes versichert hat.

 

Innerhalb einer Woche konnten wir eine voll funktionsfähige Sprechstunde aufbauen. Auch die Arbeit mit dem DRK und anderen freiwilligen Helfern funktioniert gut.

Nichts desto trotz wird der Arbeitseinsatz angesichts der weiteren riesigen Flüchtlingsströme nicht weniger werden, worauf wir uns konkret vorbereiten müssen.

 

Da dieser Einsatz länger als 3 Wochen andauern wird, benötigen wir weiterhin Unterstützung.

Ob in Spendenform oder Hilfe vor Ort. Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten, die Versorgung der schwangeren Flüchtlingen zu gewährleisten.

 

 

Euer S.M.S.-Team


Freiwillige Hilfe in der Hebammenambulanz im Flüchtlingslager Lebach beendet

Mit Bedauern müssen wir mitteilen, dass die Arbeit unserer Hebamme Astrid Kany im Flüchtlingslager in Lebach zu Ende geht. Ihre Beweggründe hat Astrid in einem Statement festgehalten.

 

Dir, liebe Astrid, danken wir sehr für dein übermäßiges Engagement und die tolle Arbeit in Lebach, die als Vorreiter bundesweit gilt.

 

"Liebe Freunde, Unterstützer, liebe Flüchtlinge!

Vor nunmehr 11 Wochen war ich das erste Mal in Lebach und habe direkt begonnen schwangere Frauen zu betreuen. Bereits am folgenden Tag haben wir (Surgical Mission Saarland e.V.) Infoblätter in 6 verschiedenen Sprachen ausgehängt, damit die Frauen wussten wann wir da sind.


Dieses wurde auch direkt von den Menschen angenommen und haben sich auf die Zeiten der Hebammenambulanz eingelassen. In der Folgezeit kamen eine Handvoll wunderbare Hebammenkolleginnen zusammen und wir haben schnell und unbürokratisch unsere Arbeit weiter ausgebaut.
Nun habe ich mich mit vielen Tränen dazu entschlossen meine Arbeit im Flüchtlingslager in Lebach abzugeben.
Ich möchte klarstellen, dass meine Entscheidung nichts mit unseren neuen Mitmenschen (Flüchtlinge) zu tun hat, sondern vielmehr mit den ‚neuen Strukturen‘, der Bürokratie und den Behörden!
Es war eine unbeschreibliche Zeit, voller Freude, viel Arbeit, erstaunlichen Menschen und viele schlimme Erzählungen von den Flüchtlingsfamilien, die ich betreuen durfte!
Doch all dies hat mich zunächst nicht davon abgehalten meine Arbeit in Lebach zu beenden.
Ich bin jetzt seit 14 Jahre als Hebamme tätig und ich möchte mir von niemandem vorschreiben lassen, wie ich meine Arbeit auszuüben habe, wen ich betreuen darf und wen nicht. Jeder, der meine Hilfe als Hebamme, Midwife, Sage-femme oder قابلة benötigt und auch wünscht bekommt diese!

Ich arbeite in Lebach unter den gleichen Prinzipien wie in meinem angestellten Verhältnis in der Klinik, bei meiner Freiberuflichkeit, zum Beispiel als Kursleiterin, bei meinen Hausbesuchen, bei den Sprechstunden und als Dozentin bei DRK, sowie bei meinen Auslandseinsätzen: verantwortungsvoll, familienorientiert, geduldig und professionell. Wenn ich feststelle, dass das Kindeswohl (wie es immer von den Jugendämtern umschrieben wird) gefährdet ist, handele ich. Wenn Familien meine Hilfe benötigen versuche ich so schnell wie möglich Lösungen zu finden. Und das schaffe ich nun schon seit fast 15 Jahre ohne die Hilfe der Ministerien sehr gut.
Ich weiß, dass unsere Familien weiterhin gut durch meine Kolleginnen in Lebach versorgt sind. Daher kann wenigstens in dieser Hinsicht mit einem guten Gefühl gehen. Doch meine Enttäuschung und der Frust sind groß und werden noch anhalten.

Ich danke Gott für diese unbeschreibliche Zeit! Ich bedanke mich, dass ich so viele wunderbare Menschen kennenlernen durfte!
Ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützt haben, für alle Spenden die immer direkt bei unseren Familien angekommen sind!
Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, dass ihr mich bei dieser Zeit unterstützt habt und so viel Verständnis dafür hattet, dass meine Flüchtlinge so viel Zeit in Anspruch genommen haben und ihr trotz meines Zeitmangels an meiner Seite gestanden habt!

 

Denen die weiter arbeiten wünsche ich alles Gute und viel KRAFT!

 

Eure Hebamme Astrid